Vorwort

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Hoya, den 15.02.2014 :

Die Idee, meine Geschichte, bzw. meinen Werdegang zu Papier zu bringen, geistert schon seit Jahren durch meinen Kopf. Mal stärker, wenn es mir relativ gut ging, schwächer bzw. gar nicht in hyperaktiven oder depressiven Phasen.

Die nachhaltigste Erfahrung war für mich die Suchttherapie 1988. Ich hatte mit 13 Jahren angefangen zu trinken, mit 28 erlebte ich meinen Tiefpunkt. Entgiftung, danach 4 Monate Langzeittherapie. Damit verbunden eine völlig neue Wahrnehmung meiner Umwelt und meiner Selbst. Neue Erfahrungen, neue Lernprozesse. Aber das war noch nicht alles. Das was mich zum Alkoholiker gemacht hatte war ( und ist ) immer noch in mir.

Es folgten gute Jahre, aber auch Fehlentwicklungen in falsche Richtungen. Abstürze in die Depression, neue Orientierungen und neue Versuche Frieden zu finden. Große Erfolgserlebnisse und tiefe Enttäuschungen. Immer wieder die Frage nach dem Warum.

Warum passiert mir das ? Was sind die Ursachen ? Was kann ich tun, damit ich nicht wieder abstürze ?

Einige Male habe ich die Grenze erreicht und wollte nicht mehr weitermachen. Ich habe Hilfe bekommen und konnte weiter suchen. So habe ich mich im Laufe der Zeit zu meinem eigenen Forschungsobjekt gemacht. Zum Experten in eigener Sache. Ich habe Tagebücher und Selbstbeobachtungen geführt. Mittlerweile sitze ich auf einem Berg von Aufzeichnungen und Erfahrungen. Und die möchte ich teilen.

Heute habe ich das Gesamtbild meiner Persönlichkeit zusammen. Ich bin ruhig und gelassen, freue mich an der Gegenwart und blicke ohne Angst in die Zukunft. Das ist weit mehr, als ich noch vor einiger Zeit erwartet hätte.

Status:

Ich bin Jahrgang 1960, geschieden, lebe nach Ablauf einer befristeten Berentung von Hartz4. Ich habe Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben beantragt, das Verfahren läuft, mit bürokratischer Schwerfälligkeit. Der Ausgang ist offen, entweder erfolgt eine weitere Berentung oder eine geförderte Maßnahme der Rentenversicherung. Unabhängig vom Ausgang ist mein persönliches Ziel, mich aus der unwürdigen Abhängigkeit von der Grundsicherung zu befreien. Es ist gut, das es in unserem Land diese Form der Existenzsicherung gibt, nicht gut ist die damit verbundene Bürokratie und Gängelung.

Diagnosen:

  • 1988: Alkoholabhängigkeit, Langzeittherapie, bis 2007 abstinent. Einige kurze Rückfälle ohne ganz abzurutschen. Jetzt wieder abstinent, und so wird es auch bleiben.
  • 2006: ADHS ( Aufmerksamkeits-Defizit-Störung) im Erwachsenenalter, Therapie und Einstellung auf Methylphenidat ( Ritalin )
  • 2007: Burnout, schwere Depressionen, Dysthymie
  • 2009: Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline, emotional instabile Persönlichkeit. Missbrauch des Ritalins und anderer Stimulanzien, Entzug , seit dem abstinent.
Die aufgeführten Diagnosen und die damit verbundenen Symptome führten zu meinem bewegten Lebenslauf mit einigen Psychiatrieaufenthalten und zahlreichen Therapien. Je mehr Therapien ich machte, desto länger wurde meine Diagnosenliste. Im Rückblick waren die Jahre 2006 bis 2010 die schwersten, aber entscheidend für meine Ursachenforschung. Ich bin der Berufsgruppe der Psychologen, Psychiater und Therapeuten zu Dank verpflichtet. Ich lebe noch, habe nicht aufgegeben. Mein Vater hat es nicht geschafft, aber für ihn wäre es auch undenkbar gewesen, die Hilfe der oben genannten Fachleute in Anspruch zu nehmen.

Insgesamt ein scheinbar negatives Gesamtbild, was sich hier ergibt. Ziemlich am unteren Ende der sozialen Leiter angekommen, und einen „Rucksack“ zu schleppen, der nicht ganz leicht ist.

Aber:

Manche Leute fühlen sich verzweifelt und elend, auch wenn ihre äußeren Umstände ganz wunderbar sind, während andere selbst angesichts der schrecklichsten Widrigkeiten glücklich und zufrieden sind.
( Aus: „Die Achtsamkeitsrevolution“ von B. Alan Wallace )

Ich kenne sämtliche Kombinationen. Und:

“ … I only wish the good times would last a little longer …“
( Aus: „Story of my live“ von Social Distortion )

Ich hatte auch sehr gute und schöne Zeiten. Und daran, dass diese in Zukunft länger andauern, arbeite ich.

3 Kommentare

  1. Danke für die Blumen! Was mich noch umhauen könnte möchte ich lieber nicht rausfinden, ich bin ganz zufrieden mit dem momentanen Zustand.

    „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“
    John Lennon

    Und manchmal ist es ganz gut, wenn wir nicht wissen, was noch so aus der Wundertüte kommt…. 😉

  2. Hi Ralf,
    John Lennon – kenn & mag ich! Aber wer zum Teufel ist dieser Typ namens „Leben“?
    LG
    Klüse (formerly known as the Taschentherapeut)

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