Belastungserprobung ATZ Saarbrücken, Schlusswort.

Eine Bemerkung zum Abschluss meines Berichtes über das ATZ. Jeder der dort hinkommt, hat seinen persönlichen Leidensweg hinter sich oder steckt noch mittendrin. Nehmt die Maßnahme als das, was sie ist: Eine Statusbestimmung zum augenblicklichen Zustand der Leistungsfähigkeit und der Befindlichkeit, nicht mehr und nicht weniger. Zu hoch gehängte Erwartungen können enttäuscht werden. Ich denke, jeder von uns hegt den Wunsch, ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben führen zu können. Die psychischen Handicaps, die wir mit uns tragen, stehen diesem Wunsch oftmals entgegen.

Mir hat die Belastungserprobung gezeigt, wo meine Stärken und die Schwächen liegen. Von „Sehr Gut“ bis „Mangelhaft“ fielen einzelne Bewertungen in den unterschiedlichen Bereichen aus. Schlechtere Bewertungen meist in Bezug auf mein Arbeitstempo. Das zeigt mir, dass ich gegenüber jemandem, der nicht mit meinen Problemen zu kämpfen hat, im Nachteil bin. Punkt. Ich brauche besondere Arbeitsumgebungen ( reizarm und ruhig ) und die Gelegenheit, mein eigenes Arbeitstempo gehen zu können, was auch wohl etwas unterhalb der Norm liegt. Sind diese Randbedingung erfüllt, kann ich auch sehr gute Ergebnisse liefern.

Ich habe in der Vergangenheit viel zu oft versucht, diese Tatsache zu ignorieren und mich der Norm anzupassen oder diese zu übertreffen, was immer wieder zu Überbelastungen, Depressionen und Zusammenbrüchen führte. In der Borderline-Therapie kam ich mit dem Konzept der „Radikalen Akzeptanz“ in Berührung. Damals musste ich hinnehmen, dass ich krank bin, meinen Job, meine Frau und wohl auch mein Haus verlieren werde. Keine Energie mehr verschwenden um Zustände aufrecht zu erhalten, die nicht mehr aufrecht zu erhalten sind. Loslassen. Radikale Akzeptanz.

Ich habe diesen Schritt gemacht und in der Folge gelernt ohne zusätzlichen Ballast neue Wege zu suchen und zu finden. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, sehr viel Hilfe und Zuspruch erfahren. 2010 hatte ich eine gesetzliche Betreuung, weil ich nicht mehr in der Lage war, vernünftig zu agieren und zu reagieren. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt die Belastungserprobung absolviert, wäre die ganz anders ausgefallen als im November 2014. Aber sie hätte auf jeden Fall den gegebenen Status widergespiegelt.

Und darum geht es, die Bestimmung des Ist-Zustands. Daraus ergeben sich dann alle weiteren Schritte. Macht euch nicht verrückt mit irgendwelchen Erwartungen, versucht locker und entspannt zu sein wenn ihr ins ATZ geht, genießt das Zusammensein mit Menschen, die ähnliche Probleme haben wie wir. Seid so, wie ihr seid und versucht nicht irgendetwas zu liefern, was ihr nicht liefern könnt. Entwickelt mit Hilfe der Therapeuten evtl. neue Strategien und neue Ziele, die dem gerecht werden, was in euch ist. Manchmal sind auch nur sehr kleine Schritte in die richtige (!) Richtung möglich, aber auch das ist akzeptabel.

Meinen Dank an die Menschen, die dort tätig sind. Ihr leistet eine sehr wertvolle Arbeit. Und an die Mitrehabilitanten, die ich mehr oder weniger kennengelernt habe. Mir hat es gut getan.

In diesem Sinn wünsche ich euch alles Liebe und Gute, und wenn ihr auf dem Weg in die Belastungserprobung seid, grüßt die Therapeuten von mir und bleibt locker.

Ralf

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