Hyperfokus – Nachwehen

Nach den letzten Tagen im beschriebenen Modus bin ich wieder unten. Und das fühlt sich erwartungsgemäß nicht so toll an.

Gestern:

Ich nutze den weiterhin erhöhten Antrieb um einige lästige Pflichtaufgaben zu erledigen. Würde mich viel lieber weiter mit dem Projekt „Timeline“ beschäftigen, zwinge mich aber zur Selbstdisziplin. Die Meditationen fallen sehr unruhig aus. Abends versuche ich dann, weiter an der Anpassung des Codes zu arbeiten. Merke aber bald, dass ich zu unkonzentriert und zu fahrig bin. Nach 2 Stunden oder so gebe ich auf und lösche die vergeblichen Bemühungen. Ich fühle mich körperlich erschöpft während ich gleichzeitig vom Kopf her noch leicht überdreht bin. Ich nehme Atosil, sehe fern, Internet und lesen. Gegen 2:00 Uhr schlafe ich ein.

Heute:

Gegen 10:00 weckt mich die Türklingel. Ignorieren. Doch es scheint wichtig zu sein, steigert sich zum Sturmklingeln. Ich gehe an die Tür, ein Maler bittet mich, mein Motorrad an eine andere Stelle zu verbringen. Ich knurre ihn an, dass das Krad meinem Nachbarn gehört, er entschuldigt sich, ist verunsichert. Ich komme wohl nicht so nett rüber.

Ich bin schwer desorientiert, habe das Gefühl von Watte im Kopf. Der Maler turnt um das Motorrad herum um die Wand zu streichen, ich höre ihn schimpfen. Er ist nicht glücklich. Ich auch nicht. Schalte den Fernseher ein, Nachrichten. Lege mich wieder hin und beschließe noch etwas zu dösen. Ich schlafe wieder ein.

Gegen 14:00 Uhr werde ich wieder wach, habe tief und fest geschlafen. „Toll, der Tag ist im Eimer“, denke ich. War aber wohl nötig. Immer noch Watte im Kopf, fühle mich kraftlos und ohne Antrieb. Rauchen, Kaffee kochen. 3 Tassen später geht es besser. Meine innere Liste triggert mich, ich steuere dagegen an. „Du musst heute nicht alles erledigen, es steht keiner hinter dir, der dich antreibt“. Nur die Gedanken wollen treiben.

Die Euphorie der letzten Tage ist verflogen. Mein Projekt kommt mir jetzt irgendwie sinnlos und unwichtig vor. Ich denke über diese Wahrnehmung nach und muss grinsen. Ist da bekannte Schema. Fahre den Rechner hoch, werfe einen Blick auf meine Timeline und kann mich dann doch freuen.

Duschen, weiter aufräumen, die Spuren der letzten Tage beseitigen. Hyperfokussierung geht einher mit einer zunehmenden Unordnung meiner Umgebung. Alles geht mir irgendwie nur sehr zäh von der Hand. Die Meditation begrenze ich auf 25 Minuten. Kann mich aber gut einfinden, werde ruhiger und kann auf die Atmung fokussieren. Später geh ich zur Bank, Geld holen und ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Die frische Luft tut gut.

Im Supermarkt sind nur zwei Kassen besetzt. Lange Schlangen. Ich wähle die falsche, die Kassiererin ist neu. Meine Anspannung steigt, fühle mich unwohl. Reizüberflutung. Das Piepen der Kasse nervt, die Leute nerven, es geht nur schleppend voran. Ich atme tief ein. Denke an die Zeit, als ich den vollen Einkaufswagen stehen gelassen habe um fluchtartig den Laden zu verlassen. So schlimm ist es nicht mehr. Auf einem Umweg zurück zur Wohnung, um noch etwas Bewegung zu bekommen. Auspacken, essen und dann diesen Artikel schreiben.

Eigentlich geht es mir gut, das war alles schon viel intensiver und schlimmer. Und richtig gucken kann ich auch wieder, keine Probleme mit dem operierten Auge. Der Tag ist nicht im Eimer. Es ist OK so.

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